Wie investieren vermögende Familien? Ein Blick hinter die Kulissen eines Family Office

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Was passiert eigentlich mit dem Vermögen erfolgreicher Unternehmer, wenn das eigene Unternehmen verkauft ist? Eine mögliche Antwort lautet: Ein Family Office übernimmt die Aufgabe, das Vermögen langfristig zu verwalten, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Doch wie genau investieren Family Offices? Investorin Vanessa Ennen gibt uns einen Einblick hinter die Kulissen.

Shownotes zum Talk mit Vanessa Ennen

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Zusammenfassung des Interviews mit Vanessa Ennen

Die 31-Jährige Vanessa Ennen kommt aus der Nähe von Osnabrück und hat einen klassischen Finance- und BWL-Hintergrund. Vor rund sechs Jahren wechselte sie aus dem Konzernumfeld in ein damals noch junges Family Office. Ursprünglich sollte sie dort vor allem dabei helfen, die Finanzprozesse der mittelständischen Beteiligungen zu professionalisieren. Dann kam alles anders: Das Family Office entschied sich, ein eigenes Startup-Portfolio aufzubauen – und Vanessa wurde Teil dieser Entwicklung. Heute verantwortet sie dort das Startup-Portfolio und beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit Venture Capital.

Was ist eigentlich ein Family Office?

Vereinfacht gesagt kümmert sich ein Family Office um die Verwaltung und Weiterentwicklung des Vermögens einer Unternehmerfamilie. Dieses Vermögen ist häufig durch den Verkauf eines operativen Unternehmens entstanden. ,Dabei gibt es nicht das typische Family Office. Die Ausrichtung hängt stark von der Familie, ihrer unternehmerischen Geschichte und ihrer Risikobereitschaft ab. Entsprechend breit kann das Anlagespektrum sein: Immobilien, Fonds und Aktien gehören ebenso dazu wie Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen oder Startups. Vanessa beschreibt Family Offices deshalb als sehr individuelle Investoren. Gerade bei Direktinvestitionen in Unternehmen zeigt sich häufig ein Branchen-Bias: Unternehmer investieren gerne in Bereiche, die sie selbst gut kennen und in denen sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrung einen Mehrwert liefern können.

Zwischen Business Angel und Venture-Capital-Fonds

Bei Startup-Investments bewegen sich Family Offices aus Vanessas Sicht ein Stück weit zwischen klassischen Business Angels und institutionellen Venture-Capital-Investoren. Ein wesentlicher Unterschied liegt dabei in der Herkunft des Kapitals. Ein klassischer VC-Fonds sammelt Geld von externen Investoren ein und muss sich an die entsprechende Fondsstruktur und Laufzeit halten. Ein Family Office investiert dagegen das eigene Familienvermögen. Das schafft einen wichtigen Vorteil: Zeit.

Während ein klassischer VC-Fonds typischerweise eine Laufzeit von etwa zehn bis zwölf Jahren hat und entsprechend irgendwann seine Investments wieder verkaufen muss, beginnt die „Uhr“ bei einem Family Office mit jedem Investment praktisch neu. Es gibt keinen vergleichbaren Investitionszyklus und damit potenziell mehr Geduld. Für Startups kann das gerade in schwierigen Phasen wertvoll sein. Denn Unternehmensgründungen verlaufen selten so geradlinig, wie es ein ursprünglicher Businessplan vermuten lässt. Family Offices bringen durch ihre unternehmerische DNA häufig Verständnis für Krisen und langfristige Entwicklung mit. Gleichzeitig sieht Vanessa gerade in der Kombination unterschiedlicher Investorentypen einen Vorteil. Ein VC kann beispielsweise stark KPI- und wachstumsorientiert arbeiten, während ein Family Office stärker die unternehmerische Perspektive einbringen kann. Im besten Fall ergänzen sich diese Kompetenzen.

Der wichtigste Investmentfaktor: das Netzwerk

Wie findet ein Family Office eigentlich interessante Startups? Für Vanessa ist die Antwort klar: über das Netzwerk. Ein großer Teil ihrer Arbeit besteht deshalb aus Gesprächen mit anderen Investoren, Veranstaltungen und dem Aufbau von Beziehungen innerhalb des Venture-Capital-Ökosystems. Dabei geht es nicht nur darum, neue Startups kennenzulernen. Ein gutes Netzwerk muss in mehrere Richtungen funktionieren: zu Investoren, die bereits früh in Unternehmen investieren, zu Co-Investoren in derselben Finanzierungsphase und zu späteren Investoren, die bei größeren Finanzierungsrunden übernehmen können. Gerade dieser letzte Punkt ist wichtig: Ein Family Office investiert nicht isoliert, sondern möchte seine Startups auch auf ihrem weiteren Weg begleiten können.

Wenn aus Spenden Investitionen werden

Neben dem klassischen Investmentgeschäft arbeitet Vanessa auch an einem besonders ungewöhnlichen Projekt: Fair Equity. Die Idee dahinter entstand aus der langjährigen Afrika-Erfahrung des Family-Office-Gründers und der Frage, wie Entwicklungsförderung langfristig wirksamer gestaltet werden kann. Statt Spenden ausschließlich in einzelne Projekte zu geben, investiert Fair Equity Spendenkapital in Startups und mittelständische Unternehmen in Afrika. Die dahinterstehende These: Unternehmertum und die Schaffung von Arbeitsplätzen können langfristig einen nachhaltigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten. Das Modell soll dabei einen Multiplikatoreffekt erzeugen. Das investierte Kapital soll im Idealfall nach einem Exit oder durch Gewinne zurückfließen und anschließend erneut investiert werden. Gewinne werden wiederum für gemeinnützige Projekte verwendet. So verbindet Fair Equity unternehmerisches Denken mit einem philanthropischen Ansatz.

Und wie investiert Vanessa selbst?

Auch privat setzt Vanessa auf Diversifikation. Zu ihrem Portfolio gehören unter anderem ETFs und Fonds sowie eine Ferienwohnung an der Nordsee. Ihre persönliche Investmentstrategie spiegelt damit ein Stück weit wider, was sie auch aus ihrer beruflichen Tätigkeit mitnimmt: Vermögen sollte nicht nur in eine Anlageklasse fließen, sondern sinnvoll über verschiedene Investments verteilt werden.

Was Anleger und Gründer von einem Family Office lernen können

Vanessas Geschichte zeigt, dass Investoren nicht immer mit dem klassischen Bild des Fondsmanagers oder Business Angels übereinstimmen müssen. Family Offices können eine ganz eigene Rolle im Investment-Ökosystem einnehmen: Sie verfügen über langfristiges Kapital, unternehmerische Erfahrung und häufig über ein Netzwerk, das weit über die reine Finanzierung hinausgeht. Für Gründer lohnt sich deshalb ein genauer Blick darauf, wer eigentlich hinter einem Investor steht, wie dessen Kapital strukturiert ist und welche langfristige Strategie verfolgt wird. Und für Privatanleger steckt darin eine vielleicht noch grundlegendere Erkenntnis: Erfolgreiches Investieren bedeutet nicht zwangsläufig, möglichst viele Anlageklassen zu kennen. Entscheidend kann vielmehr sein, die eigenen Stärken und den eigenen Kompetenzbereich zu kennen – und das Portfolio entsprechend aufzubauen.