Unternehmen aufgegeben um Vollzeit-Investor zu werden

Unternehmen aufgegeben um Vollzeit-Investor zu werden Sebastian Krog

Wie entdeckt man Aktien, deren wahres Potenzial der Markt noch nicht erkannt hat? Sebastian Krog sucht gezielt nach unterbewerteten Unternehmen, die vor einem entscheidenden Wendepunkt stehen. Im Investor Stories Podcast verrät er, wie er Deep Value mit Wachstum verbindet, makroökonomische Entwicklungen für seine Investmentideen nutzt und warum gerade kleine, wenig beachtete Unternehmen spannende Chancen bieten können.

Shownotes zum Talk mit Sebastian Krog

Webseite von Sebastian

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Zusammenfassung des Interviews mit Sebatian Krog

Sebastian Krog ist vielen Anlegern durch seinen Investment-Blog „Treasure Hunting“ auf Substack bekannt. Der 28-Jährige aus der Nähe von Köln beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Aktien und Märkten. Nach ersten Erfahrungen mit ETF-Sparplänen und einer Karriere als Unternehmer gründete er 2020 gemeinsam mit einem Geschäftspartner eine Marketingagentur. 2024 entschied er sich, aus dem Unternehmen auszusteigen und seine Leidenschaft für die Aktienanalyse zum Beruf zu machen. Seitdem widmet er sich hauptberuflich dem Stockpicking und analysiert vor allem kleine und wenig beachtete Unternehmen.

In der aktuellen Folge des Investor Stories Podcast spricht Sebastian Krog darüber, wie sich seine Investmentstrategie weiterentwickelt hat, welche Rolle makroökonomische Ereignisse bei der Aktienauswahl spielen und warum er in einzelnen Unternehmen erhebliches Potenzial sieht.

Von Deep Value zu Unternehmen an Wendepunkten

Sebastians Investmentansatz hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. 2023 lag sein Fokus vor allem auf dem Schutz vor Verlusten. Er suchte Unternehmen, die beispielsweise unter ihrem Buchwert gehandelt wurden oder über werthaltige Vermögensgegenstände verfügten. Wachstum spielte dabei eine untergeordnete Rolle.

2024 verlagerte sich sein Interesse zunehmend auf sogenannte Inflection Points: Unternehmen, bei denen sich die Geschäftsentwicklung grundlegend verändert. Das können Firmen sein, die durch neue Produkte, veränderte Marktbedingungen oder andere Entwicklungen plötzlich wieder wachsen und profitabel werden.

Insbesondere bei Micro- und Small Caps sieht Sebastian interessante Möglichkeiten. Gerade kleinere Unternehmen können von Veränderungen in ihren Märkten profitieren, die der breite Kapitalmarkt noch nicht ausreichend berücksichtigt hat. Gleichzeitig bergen solche Investments erhebliche Risiken, weshalb eine genaue Analyse des Geschäftsmodells und der finanziellen Situation entscheidend bleibt.

Inzwischen verbindet Sebastian beide Ansätze wieder stärker miteinander: Wachstum ist weiterhin wichtig, gleichzeitig achtet er verstärkt auf die Absicherung nach unten.

Bottom-up trifft auf makroökonomische Chancen

Sebastian versteht sich grundsätzlich als Bottom-up-Investor. Das bedeutet, dass er einzelne Unternehmen analysiert und auf Basis ihrer individuellen Eigenschaften Anlageentscheidungen trifft. Ergänzend nutzt er mittlerweile jedoch verstärkt einen Top-down-Ansatz.

Dabei betrachtet er zunächst größere wirtschaftliche oder geopolitische Entwicklungen und sucht anschließend nach Unternehmen, die davon profitieren könnten. Politische Veränderungen, Rohstoffmärkte und regulatorische Eingriffe können beispielsweise dazu führen, dass sich die Perspektiven ganzer Branchen verändern.

Für sein Portfolio setzt Sebastian typischerweise auf etwa acht bis zwölf Aktien. Dabei konzentriert er sich bewusst auf wenige überzeugende Ideen: Die zwei bis vier größten Positionen machen häufig rund die Hälfte des Portfolios aus. Auch bei thematischen Investments bevorzugt er eine gezielte Auswahl einzelner Unternehmen gegenüber einem breit gestreuten Aktienkorb.

Ein konkretes Beispiel: Tidewater und die Chancen im Raffineriemarkt

Wie sich diese Denkweise in der Praxis umsetzen lässt, erläutert Sebastian anhand von Tidewater Midstream und der verbundenen Renewable-Fuels-Aktivitäten in Kanada.

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen. Ein Überangebot an erneuerbarem Diesel aus den USA, ungünstige Absatzverträge und eine hohe Verschuldung belasteten die Geschäftsentwicklung.

2026 veränderte sich die Ausgangslage nach Sebastians Einschätzung deutlich. Regulatorische Anpassungen in Kanada könnten den Wettbewerbsdruck durch importierten erneuerbaren Diesel reduzieren. Gleichzeitig sorgten steigende Raffineriemargen im Zuge geopolitischer Spannungen für bessere Rahmenbedingungen.

Doch Sebastian sieht die Investmentthese nicht allein in diesem zyklischen Rückenwind. Er verweist auch auf die besondere Marktposition der traditionellen Raffinerie in Prince George, mögliche Verbesserungen bei auslaufenden Absatzverträgen und zusätzliche Chancen im Geschäft mit erneuerbaren Kraftstoffen. Ein weiterer möglicher Katalysator ist die geplante Investitionsentscheidung für eine Anlage zur Herstellung von Sustainable Aviation Fuel (SAF).

Für Sebastian ist entscheidend, dass mehrere unternehmensspezifische Faktoren zusammenkommen, die aus seiner Sicht im Aktienkurs noch nicht vollständig berücksichtigt sind. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung von regulatorischen Entscheidungen, Rohstoffmargen und dem geplanten SAF-Projekt abhängig. Der Fall verdeutlicht damit sowohl die Chancen als auch die Unsicherheiten seiner Investmentstrategie.

Geduld, Bewertung und die richtige Ausstiegsentscheidung

Ein wesentlicher Bestandteil von Sebastians Ansatz ist die Frage, wann eine Investmentthese aufgeht und wann ein Ausstieg sinnvoll wird. Dabei gibt es keine pauschale Regel. Entscheidend sind unter anderem die erwartete Ertragsentwicklung, die aktuelle Bewertung und die Wahrscheinlichkeit, mit der bestimmte Katalysatoren eintreten.

Beim Beispiel Tidewater spielen insbesondere die geplante Investitionsentscheidung für das SAF-Projekt und die künftige Profitabilität eine wichtige Rolle. Fällt die Entscheidung positiv aus, könnte sich aus seiner Sicht zusätzliches Potenzial ergeben. Bei einem negativen Ausgang müsste die Bewertung auf Grundlage der verbleibenden Geschäftsaussichten neu beurteilt werden.

Fazit: Chancen dort suchen, wo sich etwas verändert

Das Gespräch zeigt, wie Sebastian Krog seine Strategie zwischen Deep Value, Wachstum und ereignisgetriebenen Investmentideen weiterentwickelt hat. Statt ausschließlich nach günstigen Aktien zu suchen, konzentriert er sich zunehmend auf Unternehmen, deren Geschäftsaussichten sich verbessern könnten und bei denen der Markt diese Veränderung möglicherweise noch nicht vollständig eingepreist hat.

Wer sich für die Analyse kleiner Unternehmen, besondere Investmentgelegenheiten und die Verbindung von Unternehmensbewertung mit makroökonomischen Entwicklungen interessiert, erhält in dieser Folge spannende Einblicke in Sebastians Vorgehensweise. Seine Analysen und weitere Investmentideen veröffentlicht er auf seinem Substack „Treasure Hunting“.

Wichtiger Hinweis: Die besprochenen Aktien dienen der Veranschaulichung der Investmentstrategie und stellen keine Anlageempfehlung dar. Sebastian Krog hält zum Zeitpunkt der Aufnahme selbst Aktien des genannten Unternehmens. Eine eigene, sorgfältige Prüfung der Chancen und Risiken bleibt daher unerlässlich.