Chancen und Risiken von P2P-Krediten

P2P-Plattformen wachsen sehr schnell und verzeichnen regelmäßig neue Investitionsrekorde. Die Investition in P2P-Kredite genießt zunehmend eine wachsende Beliebtheit. Laut einer Studie von KPMG wurden im Jahr 2016 allein in Deutschland Kredite von über 162 Millionen Euro an Privatpersonen und Unternehmen vergeben.

Doch welche Risiken lauern bei dieser vergleichsweise jungen Anlageklasse und welche Chancen stehen den teils hohen Risiken gegenüber? Dieser Frage gehe ich zusammen mit Thomas vom Blog P2P Game in dieser Podcast-Folge auf den Grund.

Shownotes zur Folge Chancen und Risiken von P2P-Krediten

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Zusammenfassung Chancen und Risiken von P2P-Krediten

Risiken

Plattformrisiko

Bei allen P2P-Plattformen besteht die theoretische Chance einer Insolvenz. P2P-Kredite stecken so gesehen noch in den Kinderschuhen und es existieren in dieser Hinsicht keine Vergleichsfälle, welche zeigen würden, wie im Falle einer Insolvenz mit den Investorengeldern umgegangen wird bzw. wie das Ganze abgewickelt wird.

Um dieses Risiko zu senken, empfiehlt es sich immer, sein Geld auf mindestens 3-5 Plattformen zu verteilen. Ich persönlich habe sogar bei insgesamt 7 Plattformen investiert.

Länderrisiko

Je nach P2P-Plattform werden Kredite aus unterschiedlichen Ländern oder ggf. sogar nur aus einem einzigen Land angeboten. Investierst du beispielsweise nur in spanische Darlehen und bricht in dem Land eine Wirtschaftskrise aus, sehen die Chancen für pünktliche Rückzahlungen der Kredite eher schlecht aus.

Auch hier kann das Risiko durch eine breitere Streuung der Investments auf mehrere Länder deutlich gesenkt werden.

Ausfallrisiko

Bei allen Darlehen besteht immer die Möglichkeit eines Ausfalls. Das heißt, dass beispielsweise der Kreditnehmer wegen Überschuldung seine Raten nicht mehr bezahlen kann. Die Folgen sind teils langwierige Inkassoverfahren mit unbekanntem Ausgang.

Zur Risikobegrenzung solltest du bei manuellen Investments vorab so viel wie möglich über den Kredit bzw. Kreditnehmer in Erfahrung bringen. Je nach Plattform werden dir mitunter sehr umfangreiche Informationen zur Kreditart, Hintergrundinformationen zum Kreditnehmer und viele weitere Details zur Verfügung gestellt. Definiere für dich bestimmte Ausschlusskriterien (z.B. keine Investments in Konsumkredite, der Kreditnehmer muss mindestens 40 Jahre alt sein, etc.) und bleib deiner gesetzten Linie treu.

Folgst du wie ich der passiven Strategie und nutzt grundsätzlich die Auto-Invest-Funktion, solltest du dich nur auf Kredite konzentrieren, für die auch eine Rückkaufgarantie angeboten wird. Damit umgehst du im ersten Schritt das Risiko des Kreditausfalls für dein persönliches Investment.

Betrugsrisiko

Ein Betrugsrisiko ist sowohl auf Kreditnehmer- als auch auf der Plattformseite möglich. Das bedeutet, dass beispielsweise ein Kreditnehmer einen Kredit in Anspruch nimmt und nie vorhatte, diesen wieder zurückzuzahlen.

Auf der Plattformseite wäre es theoretisch auch denkbar, dass eine neue Plattform gegründet wird, diese fleißig Investorengelder einsammelt und morgen auf einmal nicht mehr existiert.

Aus diesem Grund gilt es nur in Plattformen zu investieren, welche sich auf dem Markt bereits etabliert haben. Auf Kreditnehmerseite stellt die Rückkaufgarantie das Mittel der Wahl zur Absicherung dar.

Wechselkursrisiko

Manche Plattformen bieten die Möglichkeit, in Kredite in Fremdwährungen zu investieren. Beispielsweise bei Mintos * kann nicht nur in Euro, sondern auch in britischen Pfund oder polnischen Zloty investiert werden. In solch einem Fall unterliegen deine Investments immer einem Wechselkursrisiko.

Hier lautet meine Empfehlung kurz und schmerzlos: Investments nur in der eigenen Heimatwährung. Das Risiko ist damit eliminiert.

Risiken durch staatliche Eingriffe

Ein weiteres Risiko ist, wenn plötzlich von staatlicher Seite in das P2P-Geschehen eingegriffen wird. Es könnten beispielsweise steuerliche Regelungen oder sonstige Regulierungen, sowohl auf Investoren- als auch Kreditnehmerseite, eingeführt werden. Ein anderes Beispiel ist, dass grundsätzlich für die Vergabe von P2P-Krediten eine Banklizenz zwingend notwendig wird.

Als Investor kannst du bei diesem Risiko nicht wirklich groß gegensteuern. Hier gilt es, einfach das Thema P2P-Kredite grundsätzlich mit einem offenen Auge zu verfolgen und bei künftigen Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Nutze hierfür passende Finanzblogs und themenrelevante Plattformen.

Risiken bei der IT-Sicherheit

An dieser Stelle steht zuerst einmal das IT-Sicherheitsverhalten des Investors selbst im Fokus. Passwörter werden leichtfertig an Dritte weitergegeben, alles was bunt blinkt wird angeklickt und das neueste Katzenvideo in Facebook sieht in der Vorschau einfach zu lustig aus und muss abgespielt werden. Alles, wo „Freeware“ draufsteht, wird auf dem Rechner installiert und jede neue Buttonbar im Browser könnte vielleicht mal benötigt werden.

Eine gute Firewall bzw. Antivirensoftware sollte heute Standard sein und dass man seine Nutzerdaten nicht an Dritte weitergibt, müsste auch jedem klar sein. Nutzt man seinen gesunden Menschenverstand und hält sich an gewisse Spielregeln, ist die Anwenderseite zumindest ansatzweise abgesichert.

Doch wie sieht es seitens der P2P-Plattformen aus? Hackerangriffe auf Unternehmen sind keine Seltenheit mehr. Auf den Websites der einzelnen Plattformen gibt es so gut wie keine Informationen zu diesem Thema. Bisher ist mir kein Fall bekannt, bei dem eine P2P-Plattform von Hackern angegriffen wurde. Doch nur weil es bisher nicht vorkam, heißt das nicht automatisch, dass morgen nicht so ein Fall eintreten könnte. An der Stelle bleibt nur zu hoffen, dass die Plattformenbetreiber entsprechende Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen und für den Fall der Fälle vorbereitet sind.

Als Investor bleibt dir auch hier nur die Möglichkeit, dein Geld auf verschiedenen Plattformen zu verteilen und damit das Risiko zu senken.

Liquiditätsrisiko

Bei Plattformen ohne Zweitmarkt können Kredite nicht vorzeitig verkauft werden. Die Laufzeiten sind beispielsweise bei Immobiliendarlehen bis zu 60 Monate. Wer hier frühzeitig an sein Geld muss, hat schlechte Karten.

Aus diesem Grund solltest du dir vorher Gedanken machen, ob das investierte Geld auch wirklich bis Laufzeitende nicht benötigt wird. Nur dann solltest du das nicht benötigte Kapital investieren.

Zusätzlich spielt auch Diversifikation wieder eine wichtige Rolle. Nutze die gegebenen Möglichkeiten um sowohl in kurzlaufende als auch langlaufende Kredite zu investieren.

[stextbox id=’info‘]Unabhängig von P2P-Krediten solltest du immer einen Notgroschen in Höhe von 3-5 Netto-Monatsgehältern für Unvorhergesehenes parat haben.[/stextbox]

Bewertungsrisiko

Wird ein Kredit über eine P2P-Plattform bzw. alternativ über einen Kreditanbahner angefragt, erfolgt in der Regel eine Bonitätsprüfung des Kreditnehmers. Diese kann je nach Plattform bzw. Kreditanbahner sehr unterschiedlich ausfallen.

Es besteht die Gefahr, dass bestimmte Details des Kreditnehmers fehlerhaft interpretiert oder erst gar nicht abgefragt werden. Übergreifende internationale Standards für die Kredit- bzw. Bonitätsprüfung gibt es nicht.

Um dich davor zu schützen, solltest du nur in Kredite zu investieren, welche auch eine Rückkaufgarantie anbieten. Weiterhin empfiehlt sich eine Aufteilung deiner Investitionen auf mehrere Plattformen und Kreditanbahner.

Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist auch die Bewertung der hinterlegten Sicherheiten. Gerade Immobiliendarlehen werden mit Grundstücken bzw. Immobilien abgesichert. Die zugehörige Bewertung der Sicherheiten kann gegebenenfalls zu hoch angesetzt sein. Im Falle eines Kreditausfalls kann dann die Sicherheit nur für einen Bruchteil der Bewertungssumme verkauft werden.

Zur Risikominimierung empfiehlt sich hier bei besicherten Krediten, auf eine niedriges LTV (=Loan To Value) zu achten oder alternativ auf Kredite mit Rückkaufgarantie zu setzen.

Rückkaufgarantie

Viele neue Plattformen bieten mittlerweile eine Rückkauf- oder Buyback-Garantie an. Grundsätzlich ist dieses Konstrukt für Investoren eine schöne Sache. Der Kreditnehmer kann nicht mehr zahlen und der Kreditgeber kauft den Kredit zurück. Was ist jedoch, wenn plötzlich von einer Plattform oder einem Kreditanbahner 50% oder mehr Kredite ausfallen? Können dann wirklich noch alle Kredite zurückgekauft und abgewickelt werden?

In dieser Hinsicht existieren noch keine Präzedenzfälle, wo diese Gefahr Wirklichkeit wurde. Trotzdem sollte man dieser „Garantie“ mit Vorsicht begegnen und sich nicht in völliger Sicherheit wiegen. Die Rückkaufgarantie ist immer nur so gut, wie derjenige, der diese auch abgibt.

Chancen

Hohe Renditen

Den Anfang bildet das Hauptaugenmerk vieler Investoren – die hohe Rendite. In Deutschland können Anleger froh sein, wenn sie auf Spareinlagen und Festgelder keine Negativzinsen zahlen müssen. Bei den deutschen P2P-Marktplätzen gibt es im Schnitt zwischen 5 und 7 Prozent Zinsen, bei den europäischen Pendants teilweise sogar deutlich über 10 Prozent. Solche Dimensionen sind für Investoren, im Vergleich zu den deutschen Niedrigzinsen, sehr verlockend.

Der Grund für diese hohen Zinssätze liegt zum einen bei dem allgemein hohen Zinsniveau den jeweiligen Ländern. Auf der anderen Seite handelt es sich bei vielen P2P-Krediten um sogenannte Payday Loans (Kurzzeitkredite), welche in der Regel eine Laufzeit von 30 Tagen haben. Effektive Jahreszinssätze von 1500% (ja du hast richtig gelesen) sind hier keine Seltenheit.

Kurze Laufzeiten

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den meisten Darlehen um Kurzzeitkredite. Das bringt uns zur nächsten Chance bei P2P-Krediten: kurze Laufzeiten.

P2P-Kredite haben in der Regel eine Laufzeit zwischen 1 und 6 Monaten. Bei Immobiliendarlehen können es auch mal bis zu 60 Monate werden. Die Chance, bei den kurzlaufenden Krediten bildet die damit einhergehende hohe Liquidität. Dein investiertes Geld steht dir somit bei Bedarf schnell wieder zur Verfügung. Voraussetzung ist natürlich, dass du auch nur in entsprechende Darlehen investierst.

Diversifikation des Gesamtportfolios

P2P-Kredite bieten als eigene Assetklasse eine ideale Möglichkeit, sein Gesamtvermögen zusätzlich zu diversifizieren. Zu anderen Anlageklassen gibt es wenig bis keine Abhängigkeiten.

An der Börse herrscht Ausverkauf? P2P-Kredite lässt dies kalt.
Die Immobilienpreise brechen ein? Wenn es sich nicht gerade um ein Immobiliendarlehen handelt, zucken P2P-Kredite nicht einmal mit der Wimper.

Diversifikation über mehrere Plattformen

Mittlerweile gibt es viele sehr gute P2P-Plattformen. Wieso sollte man somit nur bei einer einzigen Plattform investieren? Nutze die Möglichkeiten und verteile dein Geld auf mehrere Plattformen, um noch weiter zu diversifizieren und dein Plattformrisiko zu senken.

Diversifikation über mehrere Länder

Bei P2P-Krediten kannst du, je nach Plattform, in Kredite aus unterschiedlichen Ländern investieren. Damit bist du nicht mehr von der wirtschaftlichen Situation in nur einem Land abhängig, sondern stellst dein P2P-Portfolio breiter auf.

Diversifikation der Einzelinvestments

Der Mindestanlagebetrag pro P2P-Kredit liegt, je nach Plattform, zwischen 10 und 50 EUR. Investierst du 1000 EUR, kannst du dieses Geld im Zweifel auf 100 Kredite verteilen und damit das Risiko deutlich senken.

Fällt beispielsweise ein Kredit aus, in welchen du 10 EUR investiert hast, ist es zwar ärgerlich, aber verschmerzbar. Fällt hingegen ein Darlehen aus, in das du mit 1000 EUR eingestiegen bist, sieht die Welt schon anders aus.

Stehen genügend Kredite auf der jeweiligen Plattform zur Verfügung, gibt es meines Erachtens keinen Grund, warum du deine Einzelinvestments nicht entsprechend verteilen solltest.

Passives Einkommen

Viele P2P-Plattformen bieten die Möglichkeit einer Auto-Invest-Funktion. Hierdurch werden frei gewordene Gelder wie Zinsen und Rückzahlungen automatisch in neue Kredite reinvestiert.

Neben einer regelmäßigen Prüfung deines Portfolios auf der jeweiligen Plattform ist kein zusätzlicher Zeitaufwand deinerseits notwendig. Häufig werden tägliche oder wöchentliche Übersichten per E-Mail angeboten, die für ein Update völlig ausreichend sind. Damit wird diese Anlageform zur passiven Einkommensquelle.

Rückkaufgarantie

Eine Rückkaufgarantie ist ein Versprechen der jeweiligen P2P-Plattform bzw. dem Kreditanbahner, einen Kredit zurückzukaufen, wenn dieser 30 oder 60 Tage in Verzug gerät. Dieses zusätzliche Sicherheitsnetz lassen sich die Plattformen durch niedrigere Zinssätze entlohnen.

Der Vorteil für den Investor liegt auf der Hand: Kann ein Kreditnehmer nicht mehr zahlen bzw. gerät mit seinen Zahlungen in den Verzug, wird der Kredit inklusive Zinsen zurückgekauft. Kurzum gibt es für einzelne Kredite keine Ausfälle mehr. Nichtsdestotrotz gibt es auch eine Kehrseite der Medaille, die ich dir bei den Risiken beschrieben habe.

Fazit

P2P-Kredite sind eine hochriskante Anlageform. Das solltest du dir immer wieder vor Augen halten, wenn du in diese Assetklasse investierst. Ich persönlich sehe in P2P-Krediten großartige Chancen und diese überwiegen für mich auch den Risiken. Hält man sich an gewisse Regeln, lassen sich viele Risiken deutlich reduzieren bzw. komplett eliminieren.

Lerne daher die Spielregeln für diese Anlageklasse, prüfe, welche Risiken du bereit bist einzugehen, lege dir eine passende Strategie zurecht und verfolge sie konsequent.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • War mir ein Vergnügen mit dir zusammen den Podcast zu den P2P Risiekn und auch Chancen zu erarbeiten – ich hoffe der ein oder andre Hörer findet nützliche Informationen für sich!
    Viele grüße
    Thomas

  • Hallo Thomas,
    kann ich nur zurückgeben. Immer wieder ein Vergnügen mit dir Interviews zu führen 🙂
    Beste Grüße
    Daniel

  • Hallo Kine,
    besten Dank für deinen Kommentar und Rückmeldung. Freut mich, wenn es dir gefallen hat 🙂

    Beste Grüße
    Daniel

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